2014 Nordirland I
20.09.2014 Early Bird

Wir wollen von Islay,(Schottland) nach Rathlin (Nordirland). Eine anspruchsvolle Passage von ca. 25 Meilen mit sehr starker Strömung. Darum konsultieren wir zuerst die Winddaten: jep, Nord-Nordwest 4-5, passt! Dann blättern wir im Strömunsatlas: der sagt uns, wann wo welche Strömungen zu erwarten sind. Uns schwant böses: wir müssen 5 Stunden vor Hochwasser in Dover los (Dover ist der Bezugsort für alle Britischen Gewässer. Danach haben sich alle zu richten...). Und Hochwasser in Dover ist heute nun mal um 09:40... rechne selbst, wann wir aufgestanden sind... (gerechnet wird darum auch am Vorabend!)

Kurz nach dem Aufwachen der erste Blick ins Rigg, wo die Schottische Gastlandflagge weht. Sie weht ordentlich und sie zeigt nach Süd. Passt... und darüber sieht man sogar die Sterne. Also nichts wie aus dem warmen Schlafsack und los.

Kurz nach der Hafenausfahrt setzten wir die Segel. In der Nacht ist es schwieriger die Windstärke zu schätzen, denn wir haben keine elektronische Anzeige für die Windstärke und die Wellen sind nicht sichtbar. Heute setzten wir mal grosszügig Tuch, denn wir wollen ja vorwärtskommen (normalerweise setzten wir eher konservativ...).  Alles klappt super, die Fahrt durchs Wasser scheint gefühlsmässig auch zu stimmen... Blick auf das Speedometer: 7.2kn... hoppla! Ganz schön ordentlich für unsere JURA. Wir lassen es aber mal so und rauschen an einigen Untiefen vorbei durch die Nacht...

Bald bricht der Morgen an, der Wind wird mal schwächer, mal stärker. Wir wechseln die Segel und überprüfen unser Vorwärtskommen. Alles ok... Naja, die Wellen kommen so ganz doof von schräg hinten und wollen unsere JURA aus der Bahn werfen.  Sie schlägt sich aber tapfer und zieht ihre Bahn durch das schäumende Wasser...

Wie es sich gehört, setzten wir an der Steuerbordsaling die neue Gastlandflagge, jetzt nun diese von Nordirland (respektive den Union-Jack. Die Schotten mögen es lieber, wenn man ihre eigene Flagge setzt, auch wenn sie vor wenigen Tagen entschieden haben, doch nicht eigenständig sein zu wollen...). Es ist bereits die 7 Flagge während unserer Reise!

Wir biegen um das Westkap von Rathlin und sehen zum ersten mal die Steilküsten und das kleine Dorf. Und wir sind uns sofort einig: hier wird es uns gefallen!

 
20.09.2014 Sealwatch

Auf unserer ersten Entdeckungstour in Rathlin zieht es uns südwärts. Wir wollen zum dortigen Leuchtturm. Naja, das Türmchen wäre den Marsch auf der Strasse (warum gibt es in Britannien keine Wanderwege!?!) nicht Wert gewesen. Dafür sehen wir schon von weitem, dass sich die „Steine“ an der Küste bewegen... Jupi, Seehunde!

Wir können ganz nah an die Kolonie und bleiben da über eine Stunde. Diese Tiere sind schon unglaublich: sie liegen so was von unbequem auf den Felsen und scheinen es trotzdem zu geniessen. Noch nie etwas vom Bicco-Happy-Bett gehört...!

 
23.09.2014 „Wir repetieren...!"

Auf unserer Reise haben wir schon viel gelernt. Manches haben wir auch schon wieder vergessen, darum gibt es immer wieder Repetitionstage, so wie die beiden letzten. Wir haben folgende Merksätze repetiert:

1) Auch/besonders ein Schiff aus Stahl braucht Wind zum Segeln

2) Strömungen sind unberechenbar (Erinnert mich an mein Studium, Hr. Casartelli...!)

3) Nutze alle dir zur Verfügung stehenden Informationsquellen!

4) Auch wenn man umkehrt kommt man an schöne Orte (oft sogar schöner als erwartet!)

5) Lockt ein Gaul Millieu Dessert, lässt sich sogar die Skipperin dazu bewegen, eine Bucht zwei mal anzulaufen!

6) Es kommt schon gut!

Gestern wollten wir Rathlin, und somit Nordirland, wieder in Richtung Schottland verlassen. Genau, wieder Strömungsatlas und Wetterdaten studieren etc. Soweit so gut. Nur als wir dann losgesegelt waren, mussten wir feststellen, dass der Wind zwar den Prognosen entsprach, aber für uns zu schwach war um die vorgegebene Pace zu halten (1). Ja, und dann haben uns die Strömungen einen gewaltigen Strich durch die Rechnung gemacht (2). Irgendwie liefen sie gerade in die andere Richtung als erwartet. Höhepunkt: Wir segeln mit 3kn durchs Wasser. Und machen 0.0kn(!!!!) Fahrt über Grund. So könnte man stundenlang segeln... Also sind wir umgekehrt und haben einen Ausweichhafen gesucht. Und siehe da: Ballycastle ist hübsch (4, 6). Wenn man mal Zeit hat, könnte man hier wunderbare Sachen machen, z.B. eine 5 tägige Wanderung entlang der Küste. Nur Zeit müsste man haben...

Wieder auf dem Schiff kam ein Kajakfahrer zu uns und hat ein bisschen mit Karin gequatscht. Da muss das Thema auf die Strömungen gekommen sein, als der Kajakfahrer sagte; „Schaut mal im REEDS“. Und siehe da, da gibt’s eine wunderschöne Strömungskarte von Rathlin (3). Es gibt nur ein ganz kleines Zeitfenster, um von Rathlin weg zu kommen. Das müssen wir nutzen. Versuchen wir es nochmals... Das haben wir heute gemacht! Und es hat geklappt. Leider mussten wir etwas viel Motoren, aber das Ziel war heute das Ziel (5)! Denn wir wollen ein feines Dessert nach dem Nachtsessen. Nur dazu müsste nun der Regen aufhören!! Wir hoffen auf (6).