2015 Deutschland
01.10.2015 Streckenrekord!

Leser der ersten Stunde erinnern sich an unsere Überfahrt von Deutschland nach Dänemark vor 1 ½ Jahren: wir wurden damals mit dem „bleiernen Treibanker“ für die langsamste Überfahrt, die je von Deutschland nach Dänemark unternommen wurde, ausgezeichnet.

Wie sehr sich unser Schiff vom langsamen Entlein zum schellen Schwan und die Crew von Flachlandpiraten zu Hochseecracks entwickelt haben zeigt sich nun auf der Rückfahrt: der Streckenrekord ist geknackt. Regelrecht pulverisiert!

Gestern hat es noch nicht danach ausgesehen: wir sind von Lohals zurück in den Grossen Belt gesegelt. Wir haben ihm den Vorzug gegeben, weil die Windprognosen dort ein schnelleres Vorankommen vorausgesagt haben als in der sogenannten „Dänischen Südsee“. Zudem haben wir eine Strömungsprognose gefunden (siehe Vorbericht!) und uns daraus einen Vorteil erhofft.

Denkste! Weder die Windprognose (kein Wind anstatt 3-4Bf) noch die Stromprognose (1-2kn Gegenstrom anstatt 1-2 Mit) haben zugetroffen. So haben wir etwas gemacht, was wir noch nie gemacht haben: wir sind einfach ans Ufer gefahren und haben den Anker geschmissen. Hier sind wir, fertig.

Aber so haben uns heute 10 mehr Meilen bis nach Deutschland gefehlt. Was, wenn die Windprognosen wieder falsch sind? 40 weitere Motormeilen? Um sechs in der Früh läutet der Wecker. Ein Blick aus dem Fenster verrät, dass noch kein Wind da ist. Wir schlafen noch etwas. Gegen 7 Uhr beginnt sich unser Windgenerator zu drehen. Das Zeichen für den Aufbruch.

Unsere JURA muss gespürt haben was auf dem Spiel steht: nicht anderes als unsere Eher als Segler. Jetzt gilt es zu zeigen was wir auf den letzten beinahe 5000 Seemeilen gelernt haben. Und wir lassen es so richtig „tschädärä“! Wobei so richtig am Limit fühlen wir uns nie, es läuft einfach. Es läuft und läuft.... Herrlich!!!

Ja, und so fällt unser Anker viel früher als erwartet vor Heiligenhafen. Leider dürfen wir euch unsere Rekordzeit noch nicht mitteilen (soviel sei verraten: die Durchschnittsgeschwindigkeit ist über 2.5mal so hoch wie beim ersten mal!), denn sie muss noch vom „Verein zur Prüfung von Deutsch-Dänischen-Grenzübertritt-Segel-Rekorden VzPvDDGSR“ geprüft und bestätigt werden.

 
03.10.2015 Es kommen die mit den Meisen

Schon ist es wieder soweit: der letzte Segeltag der Saison steht an! Wir sind traurig, denn es wird wahrscheinlich unser letzter Segeltag an Bord unserer SOUND OF JURA sein. Aber wir freuen uns, denn der Wind bläst schön, das Wetter ist noch besser und bis zu unserem Ziel in Neustadt in Holstein ist es nur noch ein Katzensprung.

So segeln wir, singen unsere Lieblingslieder und schauen den anderen Schiffen zu. Denn es hat Schiffe so weit das Auge reicht. So viele Segler haben wir noch nie gesehen. Und unsere JURA hält tapfer mit. Es ist eine Freude.

Die grösste Freude machen uns aber zwei Meisen: zuerst erhalten wir Besuch von einer Blaumeise. Sie sitzt auf unsere Reling und schaut sich an was wir da so machen. Wenige Minuten später kommt noch eine Kohlmeise dazu. Sie turnt auf der Genuaschott herum und erkundet unser Schiff. Im Lacy Jack gefällt es ihr am besten und sie ruht sich dort etwas aus. Dann wird die Blaumeise aktiv und pickt überall die vielen kleinen Spinnen von den Wanten.

Mit einer letzten Halse vor Neustadt verscheuchen wir leider unsere beiden Gäste. Schön, dass wir auf unseren letzten Meilen noch Besuch an Bord hatten.

Kurz darauf machen wir in der riesigen Marina von Neustadt fest. Über 1000 Boote liegen hier.  Das Hafenbüro hat bereits geschlossen, so können wir noch keinen Krantermin abmachen und haben somit sicher ein gemütliches Wochenende vor uns. Denn die Wetterprognosen sagen weiterhin Sonne voraus.

 
04.10.2015 Extratag

Die Sonne scheint. Der Wind bläst. Wir haben nicht genug vom Segeln. Wir laufen noch einmal aus. Einfach zum Plausch. Einfach zur Freude. Einfach so... so schön!

 
08.10.2015 Der Termin

Wir haben einen Termin! Den ersten seit ungefähr einem halben Jahr. Donnerstag Nachmittag um halb 4. Wir sind etwas aufgeregt und die Stimmung ist matt. Denn wir freuen uns nicht auf diesen Termin. Wir überprüfen nochmals unsere Vorbereitungen und reinigen das Schiff mit Wasser. Dann starten wir den Motor und legen gekonnt ab. „Wohin geht die Reise? Ab in den Süden?“ werden wir von Nachbarschiff gefragt. Nein, wir fahren nur kurz um die Ecke, aus dem Hafen, entlang der Hafenmauer und bei der nächsten Einfahrt schon wieder rein. Da warten sie, die Crew der Ancora-Marina. Gekonnt wir der Mast unserer SOUND OF JURA gelegt, der Motor winterfest gemacht und dann kommt auch schon der Mann mit dem Kran. Unser Schiff wird aus ihrem Element gehoben. Gespannt werfen wir einen Blick auf das Unterwasserschiff: alles ok und kaum Bewuchs, es könnte direkt weitergehen. Aber für uns ist hier leider Endstation. Die JURA kommt an ihren Winterplatz und wird noch einige Tage gehegt und gepflegt, damit sie im nächsten Jahr hoffentlich mit einem neuen Eigner bereit ist für neue Abenteuer. Für uns heisst es Abschied nehmen. Danke SOUND OF JURA, dass du uns sicher über die Meere getragen hast!

 
09.10.2015 ZeitZahlen

Vor beinahe vier Jahren haben wir uns entschieden, uns Zeit zu nehmen um unseren Horizont zu erweitern. Zeit für uns, Zeit um die Welt, oder zumindest einen ganz kleinen Teil davon, genauer zu entdecken.

Die Eindrücke und Erlebnisse lassen sich kaum in Wort fassen (oder sie würden zumindest ein ganzes Buch füllen). Es lässt sich vielleicht besser verstehen was wir in den 13415 Stunden seit unserer Abreise erlebt haben, wenn wir dies in Zahlen ausdrücken.

Insgesamt  war unsere SOUND OF JURA 343 Tage (2014: 182/ 2015: 161) im Wasser.  Sie hat uns während 184 Seetagen (112 / 72) zu neuen Ufern geführt. Dabei haben wir 4732.5 Meilen (2455.5 / 2277.0) zurückgelegt. Obwohl wir in beiden Saisons beinahe gleich viel Strecke zurückgelegt haben, zeigen die folgenden Zahlen, wie unterschiedlich die beiden Saisons doch gewesen waren. Denn insgesamt haben wir 3281.8 Meilen (1481.4 / 1800.5) unter Segeln  zurückgelegt. Dies gibt ein Segel/Motorverhältnis von 2.3 (1.5 / 3.8) und eine mittlere Tagesdistanz über alle Seetage von 25.7 (21.9 / 31.6) Meilen. Die zweite Saison war also viel windiger (leider auch nässer) als die erste Saison, was sich dann auch in der gesegelten Strecke niedergeschlagen hat. Die kürzeste Tagesdistanz betrug gerade mal 0.4 Meilen (Einlaufen in die Schleuse vom Crinan-Kanal). Die Überquerung der Nordsee war mit 401 Meilen die längste Strecke, die wir non-stop bewältigt haben.

Die Tage und Nächte vor Anker, oder festgemacht an einer Boje, sind das Highlight jeder Segelreise (wobei die Nächte dann nicht immer zu den ruhigsten gehören). 117 Nächte (65 /52) haben wir unser Schiff schwojen lassen. Während 17 Nächten (6 / 11) haben wir uns mit schlafen abgewechselt, da wir unterwegs waren.

Soweit die segelreisetechnischen Daten.

Wie viele Fotos wir verschossen haben können wir nicht mehr eruieren (zum Glück leben wir nicht mehr im Zeitalter der Dia-Filme!). Ihr werdet einige davon sicher bald (voraussichtlich im Januar 16) an einer Fotopräsentation erleben können.

Viele Stunden haben wir auch beim Beobachten von Vögeln verbracht. Wir haben 146 verschiedene Arten (105 / 116) gezählt.

Was viele Leute wohl am meisten interessiert, können wir euch aber nicht sagen. Ja, was kostet denn so eine Reise? Keine Ahnung. Doch, eigentlich wissen wir es. Aber es spielt keine Rolle, denn wichtig ist, welchen Wert diese Reise für uns hat. Und das ist einfach: unbeZAHLbar.