2015 Dänemark
14.09.2015 Gepäcktransport

Wir haben die Leinen in Lemvig belegt und verkriechen uns nach unserer Nordseeüberquerung in der Koje um etwas Schlaf nachzuholen. Da hören wir von draussen bekannte Stimmen nach uns rufen; „uhhhuuuuu“.

Stefans Eltern verbringen ihre Herbstferien im Norden und entsprechend gross ist die Freude über das Wiedersehen. Wir geniessen zusammen einen Apero im Cockpit und erzählen von unseren Erlebnissen von der Überfahrt.

Die nächsten Tage verbringen wir zusammen in Lemvig und entdecken die Umgebung, jassen und spielen Dog. Wir geniessen die Zeit sehr. Wir erfahren viel aus der Heimat (nichts verpasst J) und können über viele Sachen lachen.

Dann geht es aber ans packen. Stefans Eltern haben extra eine Dachbox an ihrem Auto montiert, so dass möglichst viel Gepäck nach Hause reisen kann. Ja, unsere Reise neigt sich definitiv dem Ende entgegen. Alles was nicht mehr benötigt wird findet irgendwie im Auto platz.

Natürlich wollen wir mit den beiden noch etwas Segeln. Viele Stunden haben sie auf der JURA verbracht und gearbeitet, als diese noch in der Schweiz auf dem Trockenen stand. In Deutschland im letzten Jahr haben Theres und Markus die JURA im Wasser gesehen, damals waren wir aber noch nicht bereit um auszulaufen.  Wir laufen aus, im Wissen, dass es etwas mehr als genug Wind haben wird. Wir setzten Segel und preschen los. Mit über 7kn steuert Markus unsere Gute durchs Wasser. Wir merken bald, dass es etwas gar viel Wind hat für unsere Gäste und kehren zurück in den Hafen. Spass gemacht hat es aber trotzdem allen.

 
15.09.2015 Nasse Träume

Seit Wochen träumen wir von Dänemark! „In Dänemark ist es warm.“ „In Dänemark gehe ich dann zum ersten Mal in diesem Jahr ins Meer um zu schwimmen.“ (Anm. der Skipperin: ich war also schon mal drin! Im Gegensatz zu...) „Ich freue mich auf die farbigen skandinavischen Häuser in Dänemark.“

Jetzt sind wir da und freuen uns. Aber nicht über alles... Uns gefällt es wirklich hier. Lemvig ist eine schöne Stadt mit schmucken Häuschen und herausgeputzten Bewohnern. Und wieder einmal haben wir ein super Segelrevier entdeckt. Der Limfjord besteht auf mehreren „Seen“ (es sind eigentlich keine Seen, aber ich weiss nicht wie man das nennt) welche durch Sunde miteinander verbunden sind. Das macht das Revier sehr abwechslungsreich und bietet viele Ankermöglichkeiten und verunmöglicht hohe Wellen. So rauschen wir mit Höchstgeschwindigkeit unter Brücken durch und sogar aufkreuzen macht Spass!

Nur etwas entspricht gar nicht unseren Vorstellungen: die letzten beiden Tage waren nass. Sehr nass. So nass wie noch nie in dieser Saison. Und das will was heissen, denn schliesslich war es der nasseste Sommer in Schottland seit 235 Jahren! Es schüttet wie aus Badewannen. Zum Glück gelingt es uns, unsere Kabine trocken zu halten, so dass wir uns darin verkriechen können. Liebes Dänemark, wir wünschen uns einen tollen, trockenen Herbst bei dir!

 
16.09.2015 Sterne vom Himmel

Auch nach über 530 Tagen des Unterwegsseins braucht es Überraschungen. Und so hat der Skipper die ganze Nacht gearbeitet und sein Schatz hat nichts bemerkt. Er hat ihr die Sterne vom Himmel geholt.

Am Morgen rudern an den Strand der Insel Fur. Und da liegen sie nun, all die schönen (See-)Sterne. Blau, violette, rot, weiss, ...


 
17.09.2015 Reinfall

Zu verlockend das Angebot: Tropisches Badeparadies! Und das nach nur 20min Busfahrt. Schnell noch Badehosen kaufen (der Skipper hat gar keine an Bord!) und ab geht es.

Naja, ein Badeparadies ist das nicht und tropisch schon gar nicht. Das Hauptbecken ist a-kalt, die Schwimmhalle und ein Sprudelbad geschlossen, die Wasserrutschbahn rutscht nicht... bleibt einzig ein Becken von 6x2m mit etwas Sprudel und wohltemperierten 34°C... Wir sind bald wieder auf dem Heimweg durch den skandinavischen Dauerregen.

 
18.09.2015 Schon wieder!

Wieder einmal ist es mitten in der Nacht, der Skipper steht draussen im strömenden Regen und kontrolliert Leinen und Fender. Das nächste Sturmtief zieht über uns. Zum abgewöhnen!

 
21.09.2015 Aller Guter Dinge sind drei!

Könnt ihr euch vorstellen: drei tolle Segeltage, nacheinander!? Unglaublich, oder? Und wir haben es erlebt, in der Saison 2015.

Zuerst mussten wir uns aber noch einen Tag in Logstor gedulden. Wir waren um 2 bereit um abzulegen. Aber der Wind wollte einfach nicht wie prognostiziert abnehmen. Neue Prognose: in 3h wird der Wind schwächer. Aber natürlich wieder nichts. Um sieben Uhr haben wir die Segel wieder eingepackt und haben uns etwas zum Nachtessen gekocht.

Tags darauf ist es aber soweit. Wir können endlich wieder los. Wir haben aber weniger als eine halbe Stunde und schon steht uns das nächste Hindernis im Weg. Wir sind pünktlich zur Brückenöffnung in Aggersund. Die Signale stehen auf durchfahrt. Nur die Brücke ist geschlossen. Würden wir weiterfahren, müssten wir also von unserem Mast abschied nehmen. Wollen wir nicht, also warten wir. Eine halbe Stunde später ist der Brückenwart erwacht und wir können passieren.

Ab nun an ist der Limfjord nur noch ein enges Fahrwasser. Unzählige Seezeichen zeigen den Weg. Da eine grüne Tonne, dort eine Rote. Hier eine Untife, da ein Wrack. Mit der Karte im Cockpit rauschen wir durch den Stangenwald. Denn der Wind bläst direkt von hinten und füllt unsere Genua. Das Beste: es ist tolles Wetter. Der Himmel ist gepünktelt mit kachelmannschen Blumenkohlwolken. Gegen Abend erreichen wir Aalborg, die viert grösste Stadt von Dänemark. Wir finden einen Platz im recht vollen Hafen und gönnen uns aus gutem Anlass ein Nachtessen in der Stadt.

Am nächsten Tag fahren wir aber schon weiter. Nicht aber ohne zuvor ein Glace in der Stadt zu essen und zu prüfen, wie das nun genau geht mit den zwei Brücken in Aalborg. Denn die beiden haben es in sich: die Eisenbahnbrücke öffnet immer, wenn nicht ein Zug fährt. Die Autobrücke nur zur vollen Stunde. Die Gretchenfrage: wann müssen wir bei der Eisenbahnbrücke sein, damit wir die Strassenbrücke rechtzeitig erreichen? Aber wir schaffen das locker und der Brückenwart scheint auch wach zu sein. Und wieder rauschen wir nur so „bachab“. Wir segeln sogar „Schmetterling“, das heisst das Gross und die Genua jeweils auf der gegenüberliegenden Seite. Toll, toll, toll. Am Ende des Limfjords erwartet uns ein schöner Ankerplatz und der Kattegatt.

Die Prognosen für Tag drei sind nicht so toll. Eher zu wenig Wind für die 40 Meilen bis Grenaa. Aber am Morgen am Anker flattert die Gastlandflagge schon schön, so dass wir früh aus der Koje kriechen. Und voila, wir können das Tempo immer nahe der 5kn Marke halten und geniessen einen schönen Segeltag. Naja, bis auf die letzten 5 Meilen, denn da müssen wir aufkreuzen und das mag unser Schifferl ja bekanntlich nicht so. Ja, und in Grenaa stinkts fürchterlich. Nach irgendwie verrottenden Algen-Fisch-Sushi-irgendwas.... brrr.... wir lassen nach dem Segeln einfach die Lucken dicht und lassen uns die Gute Laune nicht verderben. 3 tolle Segeltage in Folge! Jupii...

 
25.09.2015 Legoland

Schon die Wikinger haben gesagt, dass man Dänemark nicht gesehen hat, wenn man nicht das Legoland in Billund besichtig hat. Und natürlich wollen wir uns das nicht entgehen lassen, denn schliesslich bläst der Wind ja seit einigen Tagen aus der falschen Richtung. So verpassen wir seglerisch sicher gar nichts.

Also ab auf den Zug. Nur ist der Bahnhof nicht wie zuhause gerade um die Ecke sondern 3km entfernt. Kein Problem, so werden auch müde Geister wach. Wir reisen über Arhus nach Vejle und steigen dort auf den Bus um. Freunde der gehobenen Marschmusik sei ein Besuch des Bahnhofs von Vejle herzlich empfohlen, denn die Unterführung wird dort ununterbrochen mit rassigen Marschklängen beschallt (wahrscheinlich um jugendliche Banden fern zu halten).

Dann sind wir dort, im Land der abermillionen Legosteine! Alles ist aus Lego. Lego da, Lego dort. Toll! Wir starten im Miniland und bestaunen die farbigen Bauten, Schiffe, Flugzeuge, Züge und und und... Man muss aber schon sagen, dass der Park eher für Kinder denn auf Erwachsene ausgerichtet ist. So sind die Vergnügungsbahnen so in der Verrücktheitsstufe „Bettsocke“ bis „Waschlappen“ einzustufen. Was aber nicht schlecht ist, denn die Skipperin war noch nie auf so Bahnen und hat doch ordentlich Respekt. Der Skipper hat aber eine gute Taktik: Einfach auf die Bahn zusteuern, schwup, einsteigen und los geht’s (anstehen musste man nirgends!). Da konnte sich die Skipperin gar keine Gedanken machen, ob man bei dieser Bahn wohl nass werden kann. (Wer wurde auf der letzten Fahrt dann nass?!? Klar, der Skipper...) Bald sind wir aber „durch“, weil ins Duploland wollen wir nicht und in einige Bahnen passen wir nicht... Aber egal, eine Reise wert ist das Legoland auf jeden Fall.

 
26.09.2015 Tage wie dieser

Tage wie dieser werden in Erinnerung bleiben. Dann, wenn unsere Reise zu Ende ist und wir wieder Zuhause sind. Wenn der Alltag wieder da ist. Und wer weiss, vielleicht das Fernweh wieder drückt. Dann erinnert man sich an einen Tag wie heute.

Sonne, ablandiger Wind Stärke 4 aus West, Kurs Süd. Nur wer segelt weiss, wie ein solcher Tag ist. Hinter (!!!) uns segelt ein grosser Dreimaster mit vollen Segeln und neben uns zieht die Insel Hjelm vorbei. Vor beinahe 1 1/2 Jahren haben wir hier geankert. Für Spannung sorgen die Schnellfähren (besser Sehrschnellfähren!). Von Steuerbord nähert sich die KatExpress2 mit schlappen 38kn. Kein Problem für uns, wir sind noch 2 Meilen von der Kurslinie entfernt. Wir schauen dem Schiff nach wie es am Horizont verschwindet. Aber gleichzeitig erscheint dort auch ein neues Schiff. Wir fragen unser allwissendes AIS wer das sein könnte. Ah, das Schwesterschiff der KatExpress2, die KatExpress1. Auch sie mit 38kn unterwegs, genau auf uns zu. Kürzeste Annäherung 0.1 Meilen. Verrückt, kaum am Horizont aufgetaucht soll das Schiff in 5min schon mit uns kollidieren?!? Wir hoffen schon gar nicht auf ein freundliches Ausweichmanöver wie dazumals vom Kreuzfahrtschiff EUROPA (welches mit schlappen 15kn fuhr) sondern reduzieren rasch die Segelfläche um Speed aus unserem Schiff zu nehmen. Denn zu versuchen noch „rasch“ über die Kurslinie dieser rasenden Ungetüme zu kommen wäre töricht.

Wir sind nicht die einzigen, die unterwegs sind. Es ist Zugzeit. Immer wieder kreuzen uns kleine Gruppen von Vögeln (leider können wir sie nicht genau bestimmen, denn immer wenn sie am nächsten währen, sind sie voll im Sonnenlicht), welche von Schweden her in Richtung Festland ziehen.

Am Abend fällt der Anker in seichte Nass. Die letzten Sonnenstrahlen fallen auf unser Schiff, wir verkriechen uns in unserem Zuhause und geniessen die Zeit, die wir zusammen verbringen dürfen. Zum Glück gibt es Tage wie dieser! Danke.

 
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